Mittwoch, 23. November 2011

Buchbesprechung: Alpenvereinsjahrbuch 2012

Buchbesprechung: Alpenvereinsjahrbuch
Berg 2012



Das traditionsreiche Alpenvereinsjahrbuch, wie in der Vergangenheit ein gemeinsames Buchprojekt des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins sowie des Alpenvereins Südtirol, erscheint nun schon zum 136. Mal. 2012 in einem völlig neuen Layout und mit einem komplett überarbeiteten inhaltlichen Konzept. Der Unterschied ist sofort zu erkennen: Das Buch ist magazinartiger, emotionaler und großzügiger im Layout, wertiger in Papier und Druck. Die einzelnen Artikel werden ab dieser Ausgabe in die Rubriken BergFokus, BergWelten, BergSteigen, BergMenschen und BergWissen zu finden sein.
Und wie immer: Das Jahrbuch bietet mit erstklassigen Beiträgen namhafter Autoren und Fotografen einen Überblick über die wichtigsten Themen und Trends aus der Welt des Bergsports. Das große Thema dieser Ausgabe sind das Weltnaturerbe Dolomiten und das Gebietsthema Brenta; der Brentagruppe ist auch die beigelegte Karte gewidmet. Ein Aufsatz handelt von den großen Bergführern der Dolomiten – Namen wie Innerkofler, Dibona oder Piaz sind auch heute noch allgemein bekannt -, Annette Köhler sprach mit Hanspeter Eisendle über die Besonderheit des Kletterns in den Dolomiten, die ladinische Sprache erhielt ein Kapitel und auch die Besonderheit der Zusammenarbeit im Rettungswesen der verschiedenen Organisationen in Gröden wurde behandelt.
Neu ist die Kulturchronik mit den Fragen „Was prägt das Bild vom Bergsteigen, wie werden wir öffentlich wahrgenommen?“ Weitere Themen sind unter anderem „die Eisenbahn als Alpinismuspionier“, „Hat der Mensch ein Recht auf Risiko?“, mit „Edelweiß und Judenstern: Welche Rolle spielte der Alpenverein in der Zeit von 1919 bis 1945?“ und einem Bericht über das „Friesenberghaus“ wurde auf die Geschichte eingegangen und im Beitrag „Umweltschutz: Haben die Seilbahnlobby und andere Alpenmöblierer in Österreich das letzte Wort?“ fand auch ein kritisches Umweltthema Platz im Jahrbuch. 
Alles in allem - ein lesenswertes Werk, das jeder Bergfreund besitzen sollte. 
Alpenvereinsjahrbuch BERG 2012. Herausgegeben vom Deutschen Alpenverein, Oesterreichischen Alpenverein und Alpenverein Südtirol. Ca. 256 Seiten, ca. 230 farbige Abb., 20,8 x 25,8 cm, gebunden. Für Alpenvereinsmitglieder mit beigelegter Alpenvereinskarte Brentagruppe. Tyrolia-Verlag Innsbruck. ISBN 978-3-937530-61-1. Mitglieder 15,80 €, Nichtmitglieder 17,80 €.

Mittwoch, 16. November 2011

Buchbesprechung: Erzenberg am Wald. Der Reiseführer zum Untergang

Buchbesprechung:
Erzenberg am Wald.
Der Reiseführer zum Untergang




Selten so einen guten Reiseführer gelesen. Selten so geschmunzelt, selten so amüsiert. Obwohl der Anlass eigentlich ein trauriger ist: Erzenberg am Wald, wie schon am Namen unschwer zu erkennen, im Osten der Republik gelegen, ist dem Untergang geweiht. Nur weiß keiner, wann er kommt. Die Stadt ist durch ihre lange Bergbauvergangenheit untertunnelt und es muss damit gerechnet werden, dass alles einbricht. Erschwerend kommt dazu, dass die Leute immer dümmer werden. Dumme Leute werden aber dick und schwer, uns so wird das Unglück noch beschleunigt.

Man sollte also schnell hinfahren und sich die Sache ansehen. Oder zumindest diesen Reiseführer lesen, dann weiß man auch schon alles. Von den Einreisebestimmungen bis zu den Empfindlichkeiten der Ureinwohner und ihren allseits bekannten Versuchen, die Touristen ausnehmen oder der Sturheit der Bürokraten, auch von anderswo bekannt, ist alles gut recherchiert und niedergeschrieben worden. Nützlich für den Touristen sind die Hinweise zu den Übernachtungsmöglichkeiten und zum Essen, interessant die Kapitel über Kultur, Baukunst, Volksbrauchtum wie den Zapfenmännel-Pokal, die Rammlerhatz oder das Misserntedankfest und natürlich den Sehenswürdigkeiten wie die Kuschelbrücke, den Gelbwasserbach oder die beliebten Museen. Nützlich sind die Hinweise auf günstige Einkaufsmöglichkeiten im Kapitel „Hehlen und gestohlen bleiben“.

Schade nur, dass Erzenberg Fiktion ist, so muss man nächstes Jahr doch wieder nach Mallorca oder in die Berge gehen…

 Thomy, Veit Anders, Peter Schaffert: Erzenberg am Wald. Der Reiseführer zu Untergang. 196 S., zahlr. Illustrationen, brosch. Erzenbergische Verlagsgesellschaft, Chemnitz. ISBN 978-3-981-4678-0-2. 14,95 €.

Montag, 7. November 2011

Buchvorstellung: Schneeschuhführer Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen, Kaisergebirge

Evamaria Wecker:
Rother Schneeschuhführer Chiemgauer Alpen.
Mit Berchtesgadener Alpen und Kaisergebirge


In der Reihe der Rother Schneeschuhführer werden reizvolle Touren für Schneeschuhgeher aller Leistungsklassen beschrieben. Sowohl Genießer als auch sportlich ambitionierte Wintersportler finden bei den Vorschlägen die richtige Tour in idealem Gelände.

In diesem Schneeschuhführer sind die interessantesten Routen in den Kalkbergen zwischen Inn und Salzach beschrieben – von der einfachen, talnahen Winterwanderung bis zur anspruchsvollen, hochalpinen Gipfeltour. Bekannte Ziele und Klassiker finden ebenso ihren Platz wie stille Geheimtipps und unbekannte Rundtouren. Dabei hat die Autorin auch auf Umweltverträglichkeit großen Wert gelegt: Das Buch enthält Informationen und Tipps zu naturverträglichem Schneeschuhwandern. Außerdem sind fast alle vorgestellten Wanderungen bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Dieses Konzept hat auch den Deutschen Alpenverein überzeugt, der den Führer im Rahmen des DAV-Projekts »Skibergsteigen umweltfreundlich« mit dem Gütesiegel »Naturverträgliche Wintertouren« ausgezeichnet hat.

Bei jeder der 53 Touren werden alle wichtigen Informationen zu Ausgangspunkten, Höhenunterschieden und Gehzeiten, Anforderungen, Lawinengefährdung, Hangausrichtung und Einkehrmöglichkeiten auf einen Blick geboten. Dazu kommen eine genaue Wegbeschreibung, eine Wanderkarte mit eingezeichnetem Routenverlauf und ein aussagekräftiges Höhendiagramm. Für einen Großteil der Touren stehen zudem GPS-Daten zum Download bereit. Eindrucksvolle Naturaufnahmen machen Lust darauf, in die winterliche Bergwelt einzutauchen.

Dieter Buck
Evamaria Wecker: Rother Schneeschuhführer Chiemgauer Alpen. Mit Berchtesgadener Alpen und Kaisergebirge. 1. Auflage 2012. GPS-Daten zum Download. 144 Seiten mit 76 Farbfotos, 53 Höhenprofilen, 53 farbigen Wanderkärtchen im Maßstab 1:50.000 und 1:75.000 sowie zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:350.000 und 1:600.000 Format 11,5 x 16,5 cm, kartoniert mit Polytex-Laminierung. Rother-Verlag. ISBN 978-3-7633-5806-9. 14,90 € (D), 15,40 € (A), 23,50 SFR (UVP).
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Buchbesprechung: Wochenendtouren Bayerische Alpen

Franziska Baumann und Antje Sommer:
Wochenendtouren Bayerische Alpen mit angrenzendem Tirol




Einfach oben bleiben, nicht abends wieder hinab ins Tal und am nächsten Tag wieder hinauf – wer hat sich das bei einer Bergtour nicht schon einmal gewünscht? Wer mehrere Tage im Gebirge unterwegs ist, erlebt die Bergwelt besonders intensiv. Dazu reicht oft schon ein Wochenende: genügend Zeit, um kleine Gebirgszüge zu durchqueren, spannende Gipfel zu erklimmen oder über aussichtsreiche Höhenwege zu bummeln. Bei einer Hüttenübernachtung bietet das Farbenspiel des Sonnenuntergangs unvergessliche Eindrücke, die man nur erlebt, wenn man den Tag abends auf der Hütte ausklingen lässt.

Franziska Baumann und Antje Sommer stellen in diesem Wanderführer 27 abwechslungsreiche Zwei-, Drei und Viertagestouren zwischen Oberstdorf und Berchtesgaden vor. Klassiker wie die Zugspitzbesteigung und die Durchquerung des Steinernen Meeres werden ebenso beschrieben wie wenig bekannte Routen, die in stille Winkel führen. Viele Touren sind von Wanderern, die über etwas Bergerfahrung verfügen, ohne Schwierigkeiten zu meistern. Einige anspruchsvolle Routen in hochalpinen Regionen erfordern jedoch entsprechendes Können und eine geeignete Ausrüstung.

Kurzinfos mit allen wichtigen Angaben, Höhenprofile und farbige Wanderkärtchen mit eingetragenem Routenverlauf geben einen guten Überblick über die vorgestellten Touren. Dazu kommen ausführliche Wegbeschreibungen, durch die ein Verlaufen unterwegs fast ausgeschlossen ist. Die ansprechenden Farbfotos machen Lust, sofort aufzubrechen und die spannende Bergwelt für sich zu entdecken.

Dieter Buck
Franziska Baumann und Antje Sommer: Wochenendtouren Bayerische Alpen mit angrenzendem Tirol. 27 Touren zwischen Oberstdorf und Berchtesgaden. 1. Auflage 2012. GPS-Daten zum Download. 200 Seiten mit 144 Farbfotos, 28 Wanderkärtchen im Maßstab
1:50.000, 1:75.000 und 1:100.000 mit eingezeichnetem Routenverlauf, 27 Höhenprofilen sowie einer Übersichtskarte. Format 12,5 x 20 cm, kartoniert. Rother-Verlag.
ISBN 978-3-7633-3061-4. 14,90 € (D), 15,40 € (A), 23,50 SFR (UVP)
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Freitag, 4. November 2011

Winterbrauchtum: Krampusse in Osttirol

Lienzer Advent
Kinderkrampusse im Zottelfell

Wie überall im Alpenraum erleben Besucher in der Vorweihnachtszeit auch in der Hauptstadt Ostirols jede Menge Brauchtum, Tradition und natürlich Romantik vor schneebedeckten Skibergen.

Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts schaute man in Osttirol aus den Nasenlöchern. Inzwischen aber ist der Krampus ein wenig geschrumpft, denn die Sehschlitze der Masken sind auf Augenhöhe. Daher wirken die schaurigen Gesellen des Nikolaus zwar noch furchteinflößend, aber nicht mehr ganz so übermächtig. „Auch Traditionen gehen mit der Zeit“, erklärt Kurt Glänzer, der Vorsitzende des Lienzer „Nikolo- und Krampusvereins“ mit seinen 400 Mitgliedern. Wenn sie Anfang Dezember mit Kuhglocken behängt und im Zottelfell durch die Gassen laufen, ist das der Höhepunkt im Lienzer Advent.

Ängstliche Zeitgenossen können die tief im Brauchtum verwurzelte Faszination des Schreckens hinter Absperrgittern auf sich wirken lassen. Obwohl Glänzer betont, dass der Lienzer Krampus zur Spezies der zivilisierten Schauergestalten gehört und in der Regel nur auf Freunde und Bekannte zustürmt, um sie in Rangeleien zu verwickeln. Die absoluten Publikums-Lieblinge sind sowieso die laufenden Meter – die dreijährigen Knirpse unter den 150 Nachwuchs-Krampussen, die am 6. Dezember im Gefolge des Nikolaus in die Altstadt marschieren.

Chef-Krampus Kurt Glänzer, der den Vereinsvorsitz von seinem Vater übernommen hat, war selbst erst drei, als er das erste Mal mit durfte. „Das war schöner als Weihnachten - zumindest aufregender“, erinnert er sich. Der 46-Jährige, der im zivilen Leben als Maschinenschlosser arbeitet, hat im Laufe der Jahre schon vielen Krampussen ihr Gesicht gegeben. Pro Jahr schnitzt er fünf bis acht Larven, wie die Masken aus weichem Zirbenholz in der Fachsprache genannt werden. Etliche davon schmücken die Wände im Alten Schlauchturm der Lienzer Stadtmauer, in dem der „Nikolo- und Krampusverein“ Requisite und Refugium hat. Der Kopfschmuck, das Zottelfell, der Gürtel mit den drei Kuhglocken – insgesamt läuft der Groß-Krampus mit gut 30 Kilo am Leib umher. „Das ist Hochleistungssport“, sagt Glänzer und man versteht, dass die meisten Männer im Rentenalter irgendwann auf die Zuschauerseite wechseln.





Dort stehen die Frauen seit jeher. „Keine Frage - wir bewahren unsere letzte Männerdomäne“, sagt Kurt Glänzer. Als sich vor 18 Jahren mal eine Frau dazwischen geschmuggelt hat, wurde sie sofort verjagt. Der Krampus soll in der Figur des spätmittelalterlichen Kinderschrecks wurzeln, der einst zur Frömmigkeitserziehung des Nachwuchses eingesetzt wurde. Erst im 19. Jahrhundert stieß er – sozusagen als ostalpenländische Antwort auf Knecht Ruprecht – zum Nikolaus, der von weiteren Figuren wie Buttenteufel, Lotter und Litterin begleitet wird. Die einzigen Frauen im Gefolge sind die kleinen Engelsmädchen.

Der harte Krampus-Kern trifft sich schon am 1. Dezember auf dem Riedlhof außerhalb von Lienz zum Tischziehen: Dabei haben es die Gäste, die freiwillig zum Kräftemessen antreten, sehr schwer, den Tisch gegen die wilden Gesellen zu verteidigen. Am 3. Dezember dann begleiten sie den Nikolaus zu seiner Ansprache auf dem Johannesplatz im Stadtzentrum, am 5. Dezember wechselt der Schauplatz zum Ortsteil Patriasdorf und damit in eine ländlich-beschauliche Kulisse, bevor die Nachwuchs-Krampusse einen Tag später wiederum in der Altstadt alle Blicke auf sich ziehen.

Und dann herrscht wieder Ruhe im Angesicht der tief verschneiten Lienzer Dolomiten. Kurt Glänzer setzt sich hin, schnitzt in Musestunden das Jahr über ein paar Masken und freut sich auf die nächste Saison. Besonders stolz ist er auf die Nachwuchs-Krampusse, die er 1993 als eigene Gruppe ins Leben rief. „Die Kleinen schauen sich von Anfang an das echte Krampus-Gehabe ab – inzwischen haben alle denselben Schritt drauf, man erkennt wirklich niemanden mehr“, sagt er.


Der Lienzer Adventsmarkt

Der Lienzer Adventsmarkt, der zu den traditionsreichsten in ganz Österreich gehört und unter dem Motto „Einmal wieder Kind sein“ steht, lässt vom 25. November bis 24. Dezember urtirolerisches Brauchtum lebendig werden. Vor dem Rathaus, das sich in einen riesigen Adventskalender verwandelt, treten Sänger und Märchenerzähler auf. Lesungen und Hirtenspiele beeindrucken die Besucher ebenso wie die lebende Werkstätte, in der Glasbläser, Kerzenzieher und Holzschnitzer zum Mitmachen auffordern, während der Nachwuchs in der Kinderbackstube schwitzt. Das Adventspaket über ein verlängertes Wochenende gibt es ab 155 Euro pro Person im Doppelzimmer eines 3-Sterne-Hotels. Es enthält drei Übernachtungen inklusive Halbpension, dazu Extras wie eine geführte Schneeschuhtour und Glühweingutscheine.






Info:

Osttirol Information
Tel. +43.(0)50.212.212
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