Samstag, 28. Juni 2014

Alpenüberquerung: neu auf die bequemere Art!

Grenzenlos Wandern – eine etwas andere Alpenüberquerung


Die neue Alpenüberquerung von Bayern über Tirol nach Südtirol ist nun offiziell eröffnet und der Achensee ist Teil der insgesamt sieben Etappen. Das Besondere: die Route ist für durchschnittlich trainierte Wanderer und bietet die Möglichkeit direkt im Tal zu nächtigen.


Die Vertreter der beteiligten Tourismusregionen stoßen auf die 
neue Route an. ©www.die-alpenueberquerung.com
Georg Pawlata ist der Ideenfinder der neuen Alpenüberquerungsroute und in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Tourismusregionen Tegernsee, Achensee, Zillertal und Sterzing wurde das Projekt verwirklicht. Pawlata freut sich, dass die Idee mit Zustimmung der Tourismusorganisationen so schnell und unbürokratisch umgesetzt werden konnte: „Jetzt sind wir soweit, dass wir diese Alpenüberquerung für jedermann anbieten können!“

Martin Tschoner, Geschäftsführer des Achensee Tourismus, hob bei der Eröffnung am 24. Juni die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „Ich glaube, dass im Tourismus heutzutage das rein regionale Denken überholt ist. Die vier Regionen sind alle miteinander verwandt, aber jede ist ein bisschen anders und in jeder ist das eine oder andere Highlight zu finden. Bei uns ist es der rundum frei zugängliche See, an dessen Ufer ja eine Etappe vorbeiführt.“ Er glaube, dass man mit der Alpenüberquerung die Sehnsucht der Wanderer treffe, einmal im Leben die Alpen überqueren zu wollen. Das sei nun auf relativ angenehme Weise machbar.

Die neue, einheitlich beschilderte Alpenüberquerungs-Route verläuft vom Tegernsee am bayerischen Alpenrand zum „Tiroler Fjord“, dem Achensee, und weiter über das Zillertal im Herzen der Alpen nach Sterzing, der nördlichsten Stadt Italiens. Dank ihres einfachen bis mittleren Schwierigkeitsgrads bewältigen geübte Wanderer diese Route problemlos. Gasthöfe, Pensionen und Hotels aller Kategorien gewährleisten erholsamen Schlaf, so dass man sich tagsüber gut ausgeruht an der Schönheit der Natur erfreuen kann. Einige Teilstrecken legt man mit Bus, Zug, Schiff oder Seilbahn zurück. Die Alpenüberquerung, bei der das Natur- und Kulturerlebnis sowie der kulinarische Genuss im Vordergrund stehen, kann man über die Website www.die-alpenueberquerung.com auch mit Gepäcktransport und komfortabler Unterkunft im Tal oder geführt buchen.

Info:
 
 Die Alpenüberquerungsroute führt direkt entlang des Achensees. 
Von Achenkirch nach Pertisau und weiter nach Maurach. 
©www.die-alpenueberquerung.com

DIE ETAPPEN DER ALPENÜBERQUERUNG AM ACHENSEE:

Etappe 2: Wildbad Kreuth – Achenkirch
Vom historischen Wildbad Kreuth führt ein Steig durch einen Buchenmischwald ins Almgelände der Gaisalm. Entlang eines sanften Bergrückens und später durch Latschen erreicht man den Bayerisch-Tiroler Grenzkamm. Hier öffnen sich wunderbare Ausblicke in beide Richtungen, von der Ebene nördlich des Tegernsees bis zu den Zillertaler Alpen. Nach der Einkehr auf der urigen Blaubergalm wandert man durch das Jagdgebiet der habsburgischen Kaiser nach Achenwald bzw. Achenkirch.
Distanz: 17 km. Höhenmeter aufwärts: 850. Höhenmeter abwärts: 800.
Höchster Punkt: 1.560 m. Gehzeit: 5 ¾ h

Etappe 3: Achenkirch – Maurach am Achensee
Die Route führt auf einem der schönsten Wege Tirols entlang des Westufers des Achensees. Von Achenkirch wandert man immer in leichtem Auf und Ab auf einem sehr gut ausgebauten Steig zur Gaisalm, der einzigen Alm Tirols, die man nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreicht. Hier wartet eine grandiose Landschaft mit kleinen Wasserfällen, Mischwäldern und Schwemmkegeln, die bis in den „Tiroler Fjord“ hineinreichen. An vielen Stellen gibt es Bademöglichkeiten. Entlang des Uferwegs erreicht man Pertisau und später am Weg neben der Achensee Dampf-Zahnradbahn das Etappenziel Maurach.
Distanz: 13,5 km. Höhenmeter aufwärts: 200 m. Höhenmeter abwärts: 200m .
Höchster Punkt: 1.000 m. Gehzeit: 4 h

Etappe 4: Maurach am Achensee – Hochfügen
Nach der Fahrt mit Bus oder Achensee Dampf-Zahnradbahn und Zillertalbahn erreicht man nach einem Spaziergang durch das Dorf Fügen die Bergbahn auf das Spieljoch. Hier eröffnen sich majestätische Ausblicke auf die Bergwelt des Zillertals, das Karwendel, Rofangebirge und den Wilden Kaiser. Zwischen jahrhundertealten Zirbenbäumen, Almrosen und Granitsteinen beginnt die Wanderung entlang eines traumhaften Steigs über die Gartlalm zum Loassattel. Auf einem gemütlichen Weg wandert man das letzte Stück in den bekannten Wintersportort Hochfügen.

Distanz: 13 km. Höhenmeter aufwärts: 450. Höhenmeter abwärts: 750.
Höchster Punkt: 2.040 m. Gehzeit: 3 ¾ h 

Dieter Buck

Besuchen Sie uns auch unter:
http://reisen-und-urlaub.blogspot.com für Artikel über Reisen und was schön daran ist
http://alpen-blog.blogspot.com für Artikel über die Welt der Alpen
http://baden-wuerttemberg-blog.blogspot.com für Artikel über Baden-Württemberg
http://reisebuecherwanderfuehrer.blogspot.com für Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur
http://der-stuttgart-blog.blogspot.com für Artikel über Stuttgart
http://stuttgart-schwarz-weiss.blogspot.com für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie
http://living-in-stuttgart.com der englischsprachige Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt
Impressum:

OEAV: Bergwandertipps vom Alpenverein

Österreichischer Alpenverein gibt Wandertipps: Gut gerüstet in die Wandersaison



Jetzt, wo in den Bergen der letzte Schnee schmilzt, locken Almen und Gipfel die Menschen hinauf in die Höhe, und auch die Alpenvereinshütten öffnen wieder ihre Pforten. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) hat rechtzeitig zum Start der Wandersaison 10 Empfehlungen für sicheres Bergwandern herausgegeben.




Für ein sicheres Bergerlebnis sollten Wanderer 
10 Grundregeln beherzigen. ©Tirol Werbung

Gesund in die Berge
Bergwandern ist Ausdauersport gepaart mit genussvollem Naturerleben und kann sich positiv auf Körper und Geist auswirken – gute körperliche Verfassung und realistische Selbsteinschätzung über Kondition und Können vorausgesetzt. Zeitdruck und überhöhtes Tempo sind kontraproduktiv! 

Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein dazu: „Gerade zu Saisonbeginn überschätzt man sich gern. Man sollte der Versuchung widerstehen, sich zu ehrgeizige Ziele zu setzen und den Körper langsam an die Belastung gewöhnen. Für fast die Hälfte aller Notsituationen beim Wandern sind Herz-Kreislauf-Beschwerden verantwortlich!“

Deshalb gilt:
  • Durch regelmäßige sportliche Aktivität fit halten.
  • Ungewohnte und lange Belastungen vermeiden – insbesondere am ersten Tag.
  • Langsam losgehen und starke Anstrengung zu Beginn der Wanderung vermeiden.
  • Bei heißem, schwülem Sommerwetter ein schattiges, kühles Tourenziel wählen.
  • Regelmäßiges Essen und Trinken, um Unterzucker vorzubeugen.
  • Mit Infekten oder Verkühlung nicht in die Berge! Lieber zu Hause bleiben und auskurieren.
  • Warnsignale wie Atemnot, Herzrasen oder Übelkeit ernst nehmen: Wanderung und Training rechtzeitig abbrechen bzw. Notruf absetzen.
  • Bei Herzkreislauf-, Atemwegs- und/oder Stoffwechselerkrankungen vor einer Bergtour einen Sportarzt konsultieren.
Sorgfältige Planung
Gut geplant ist halb gewonnen! Wanderkarten, Literatur, Internet und Experten helfen bei der Tourenplanung und informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Bei einer Gruppenwanderung die Tour immer auf das schwächste Mitglied abstimmen! Das Wetter in den Bergen kann sich schnell ändern, Regen, Wind und Kälte können das Unfallrisiko erhöhen. Deshalb vorher unbedingt Wetterbericht beachten.

Auf www.alpenvereinaktiv.com finden sich Tourentipps und Kartenmaterial sowie Angaben zu Höhenmetern, Distanz und Schwierigkeiten.

Vollständige Ausrüstung
Nur mit guter Ausrüstung auf den Berg! Proviant, Regen-, Kälte- und Sonnenschutz gehören immer in den Rucksack, ebenso Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro-Notruf 112). Die kostenlose Notfall App der Bergrettung Tirol ermöglicht bei Alpinunfällen rasche Hilfe – am besten schon vor der Bergtour herunterladen! Karte oder GPS unterstützen die Orientierung. Dennoch gilt: Mit leichtem Gepäck geht es sich auch leichter, deshalb den Rucksack nicht mit unnötigem Ballast beschweren. Die Ausrüstung soll immer an die Unternehmung angepasst werden.

Passendes Schuhwerk
Gute Wanderschuhe schützen und entlasten den Fuß und verbessern die Trittsicherheit! Perfekte Passform, rutschfeste Profilsohle, Wasserdichtigkeit und geringes Gewicht sind für ungetrübtes Wandervergnügen entscheidend.

Trittsicherheit ist der Schlüssel
Aufmerksames Gehen ist im Gebirge oberstes Gebot! Zu hohes Tempo oder Müdigkeit können die Trittsicherheit und Konzentration beeinträchtigen. Also lieber einen Schritt langsamer gehen und dafür sicher unterwegs sein! (75 Prozent der „Stolperer“ passieren übrigens auf Wegen oder Steigen durch Unachtsamkeit, nicht im weglosen Terrain!)
„Wer nach einer zu schwierigen Wanderung keine Reserven mehr für den Abstieg hat, wird unachtsam – die Gefahr eines Sturzes steigt. Der Weg nach unten ist nicht nur motorisch anspruchsvoller, durch den Tiefblick kommt auch noch eine psychologische Komponente dazu. Das sollte man bereits bei der Tourenplanung bedenken“, empfiehlt Michael Larcher.

Auf markierten Wegen bleiben
Tirol verfügt über 15.000 km markierte Wanderwege – diese werden vom ÖAV kontrolliert und gewartet. Deshalb unbedingt auf diesen markierten Wegen bleiben, Abkürzungen oder Routen durch wegloses Gelände sind keine gute Idee. Im Gegenteil: sie erhöhen das Risiko für Orientierungsverlust, Absturz oder Steinschlag. Ebenfalls häufig unterschätzt und gefährlich: steile Altschneefelder. Im Zweifelsfall gilt: besser umkehren!

Regelmäßige Pausen
Wer rastet, der rostet. Das gilt am Berg nicht. Rechtzeitige und regelmäßige Pausen dienen nicht nur der Erholung, sondern auch dem Genuss der Landschaft und der Geselligkeit. Der Körper braucht außerdem regelmäßiges Essen und Trinken, um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher. Müsliriegel, Trockenobst und Kekse sind optimale Snacks für unterwegs.

Verantwortung für Kinder
Bergwanderungen können auch für Kinder spannend und lustvoll sein – vorausgesetzt, die Route wird entsprechend gewählt und geplant. Abwechslung und spielerisches Entdecken sind für Kinder wichtiger als Höhenmeter und Distanzen. Gefährliche Passagen erfordern eine unbedingte 1:1 Betreuung durch bergerfahrene Erwachsene. Ausgesetzte Touren, die anhaltende Konzentration und lange Kondition erfordern, sind nichts für Kinder! Es gilt das Motto: Weniger ist mehr!

Kleine Gruppen
Kleine Gruppen gewährleisten Flexibilität und ermöglichen gegenseitige Hilfe. Vorausgesetzt, die Gruppe bleibt zusammen und orientiert sich am schwächsten Mitglied. Außerdem ist es gut, daheimgebliebene Personen über Ziel, Route und Rückkehr zu informieren. Alleingänger aufgepasst: bereits kleine Zwischenfälle können zu unangenehmen Notlagen führen. (Notfall-App!)

Respekt für die Natur
Ohne intakte Bergnatur kein Wandervergnügen. Deshalb: bitte keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, auf den Wegen bleiben, Wild- und Weidetiere nicht beunruhigen, Pflanzen unberührt lassen und Schutzgebiete respektieren. Viele Gebiete sind mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar, Fahrgemeinschaften sind auch eine gute Option.
Die 10 Empfehlungen des Alpenvereins und einige wichtige Tipps zum Wandern sind ab sofort auch in Form eines praktischen Cardfolders erhältlich. So sind sie auf der nächsten Tour immer griffbereit. Bestellbar zum Preis von 90 Cent im Alpenvereinsshop auf www.OeAVshop.at.

Info:
Die Alpenvereinshütten und ihre Öffnungszeiten sind auf www.alpenvereinshuetten.at zu finden.

Dieter Buck

Besuchen Sie uns auch unter:
http://reisen-und-urlaub.blogspot.com für Artikel über Reisen und was schön daran ist
http://alpen-blog.blogspot.com für Artikel über die Welt der Alpen
http://baden-wuerttemberg-blog.blogspot.com für Artikel über Baden-Württemberg
http://reisebuecherwanderfuehrer.blogspot.com für Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur
http://der-stuttgart-blog.blogspot.com für Artikel über Stuttgart
http://stuttgart-schwarz-weiss.blogspot.com für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie
http://living-in-stuttgart.com der englischsprachige Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt
Impressum:


Donnerstag, 26. Juni 2014

DAV: Plakat geschützte Alpenpflanzen

Plakat zeigt 
44 geschützte Alpenpflanzen
Liebevoll gestaltete Neuauflage 
eines Klassikers
 


Die Härchen sind so fein, dass das bloße Auge sie kaum erkennen kann. Der zarte Flaum umhüllt nicht nur die Blätter der Frühlingsküchenschelle, sondern auch ihren Stängel und ihre Blütenblätter. Unmöglich, so etwas naturgetreu wiederzugeben.

Für Stefan Caspari ist es möglich. In akribischer, tagelanger Feinstarbeit hat der Münchner Kunstmaler und Fotograf das Pflänzlein portraitiert – und mit ihm 43 weitere. Die Pulsatilla vernalis, wie die Küchenschelle wissenschaftlich korrekt heißt, ist Teil des neuen Plakats „Geschützte Alpenpflanzen“, das der Deutsche Alpenverein (DAV) gemeinsam mit den Partnerorganisationen aus Österreich (OeAV) und Südtirol (AVS) und dem Verein zum Schutz der Bergwelt herausgibt. „Mit dem Plakat wollen wir zeigen, wie wunderschön, aber auch sensibel die Pflanzenwelt und ihr Lebensraum in den Alpen ist, und auf sinnliche Art und Weise dazu anregen, sie zu schützen “, erklärt Jörg Ruckriegel, DAV-Ressortleiter Natur- und Umweltschutz.

Winzige Pflanzen, großartige Leistung
Das Plakat gibt zu jedem Portrait den deutschen Namen der Pflanzen und die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung auf Latein an, dazu die Blütezeit der jeweiligen Art, sowie die Höhenlage, in der sie gedeiht. Das zeigt, welch erstaunliche Fähigkeiten manche von ihnen mitbringt. So wächst beispielsweise die Behaarte Primel (Primula hirsuta) sowohl auf 1500 Metern als auch auf 3600 Metern. Eine großartige Leistung, übertroffen nur vom Gletscherhahnenfuß (Ranunculus glacialis) und dem Gletscher- oder Alpen-Mannsschild (Androsace alpina), die es, wie die Namen schon sagen, sogar noch auf über 4000 Metern aushalten.

Viel zu entdecken
Es ist wie mit Wimmelbildern für Kinder: Je länger der Betrachter auf das Plakat blickt, umso mehr kann er entdecken. Jeder Pflanze ist ein kleines farbiges Dreieck zugeordnet, blau, rosa oder beides. „Die Dreiecke geben an, in welchem Teil der Alpen und somit auch in welchem Gestein die Pflanzen zu Hause sind“, erklärt Dr. Klaus Lintzmeyer, Vorstandsmitglied des Vereins zum Schutz der Bergwelt und Mitherausgeber des Plakats, das Prinzip: „Blau steht für die nördlichen und südlichen Kalkalpen mit basischem Gestein, rot für das saure Urgestein der Zentralalpen.“ Die Anordnung auf dem Plakat gibt die Wuchsstandorte wieder: Links stehen jene Arten, die nur basisches Milieu tolerieren, rechts jene, die sich im sauren wohlfühlen und in der Mitte die, die beide Milieus mögen.

Kunstmaler und Biologe: Ein bewährtes Duo
Um die Pflanzen so naturgetreu wiedergeben zu können, waren Fotos nicht ausreichend. Stefan Caspari brauchte die Originale. Er bekam sie vom Botaniker Dr. Thomas Schauer. Der ehemalige Ingenieurbiologe und Botaniker des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft und der Kunstmaler in dritter Generation sind ein bewährtes Duo. Sie haben bereits mehrere Pflanzenführer herausgegeben. Für die aktuelle Zusammenarbeit war Thomas Schauer den kompletten Sommer 2013 unterwegs und hat mehr als 5000 Kilometer und einige Höhenmeter zurückgelegt, um die „Modelle“ in den Alpen zu finden - und nur dort mitzunehmen, wo sie in größerer Anzahl wuchsen.

Erstes Plakat von 1903
Das Plakat, das jetzt dabei herauskam, steht in einer langen Tradition. Bereits 1903 brachte der Verein zum Schutz der Bergwelt, der sich zur Jahrhundertwende gegründet hatte, die erste Version heraus. Ihr folgten fünf weitere. Eine von ihnen erschien sogar 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg. Für die aktuelle, siebte Auflage, wurde das Einzugsgebiet erweitert: Erstmals sind geschützte Pflanzen auch der südlichen Kalkalpen vertreten.

Das Plakat gibt es auch zu kaufen
Das neue Alpenpflanzenplakat wurde in einer Auflage von 7000 Exemplaren gedruckt und wird auf Alpenvereins- und anderen Schutzhütten sowie in Gaststätten aushängen. Unter www.dav-shop.de ist es im Format A1 für 9,95 Euro erhältlich. Zum selben Preis gibt es das Plakat im Alpinen Museum auf der Praterinsel in München.

Dieter Buck

Besuchen Sie uns auch unter:
http://reisen-und-urlaub.blogspot.com für Artikel über Reisen und was schön daran ist
http://alpen-blog.blogspot.com für Artikel über die Welt der Alpen
http://baden-wuerttemberg-blog.blogspot.com für Artikel über Baden-Württemberg
http://reisebuecherwanderfuehrer.blogspot.com für Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur
http://der-stuttgart-blog.blogspot.com für Artikel über Stuttgart
http://stuttgart-schwarz-weiss.blogspot.com für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie
http://living-in-stuttgart.com der englischsprachige Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt
Impressum:

Dienstag, 24. Juni 2014

Almabtrieb: Tradition in Tirol

Almabtriebe: 
Geschichte einer Tiroler Tradition

Die Almen spielten seit jeher eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft Tirols. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich rund um die Sommerweiden hoch oben in den Bergen zahlreiche Traditionen und Bräuche gebildet. Am wichtigsten ist dabei der Almabtrieb im Herbst, dessen Wurzeln bis in die Jungsteinzeit zurückreichen.
 

 Almabtrieb von der Bockbachalm nach Steeg im Lechtal.
 ©Tirol Werbung

Steile Hänge, eine kurze Vegetationsperiode, niedrige Temperaturen, eine lang anhaltende Schneedecke – es sind diese Herausforderungen, die der alpinen Landwirtschaft in Tirol ihre heutige Gestalt geben. Vor allem die Bedeutung der Viehwirtschaft ist auf die geographischen und klimatischen Bedingungen zurückzuführen. So kann mittels Kühen, Schafen und Ziegen ein Terrain erschlossen werden, das sich für herkömmliche Feldfrucht-Bebauung nicht eignet. Die Flächen in den Bergen ab 1.000 Meter Seehöhe, wo Gräser und Kräuter wachsen und klares Wasser fließt – kurzum die Almen.

Erste Almen in der Jungsteinzeit
Schon in der Jungsteinzeit haben Alpenbewohner alpine Wiesen als Weideflächen genutzt. Pollenanalytische Untersuchungen an der Universität Innsbruck ergaben, dass Almen im hinteren Ötztal bereits vor mehr als 6.000 Jahren beweidet wurden. Auf der Kelch-Alm bei Kitzbühel wurden Überreste von Almtieren aus der Spät-Bronzezeit (1250-750 vor Christus) gefunden, wobei die Almwirtschaft hier wahrscheinlich Produkte für die Verpflegung von Bergleuten (Kupferabbau) geliefert hat.

Zur Zeit der Kelten und Römer waren es vor allem die Graszonen am Talschluss, die von den lokalen Viehzüchtern „bestoßen“, also genutzt wurden. Die vorrömischen und romanischen Namen vieler zu dieser Zeit erschlossener Almen haben sich mancherorts bis heute erhalten. Ab 1.000 nach Christus schließlich erschloss die wachsende Bevölkerung, durch Rodung Weideflächen in den Bergen, vor allem zwischen 1.000 und 1.500 Metern Seehöhe. Sie tragen Namen, die sich aus dem Deutschen ableiten.

Almen im heutigen Tirol
Die Almlandschaft, wie wir sie heute kennen, ist seit dem Mittelalter im Wesentlichen dieselbe. Das zeigt sich zum Beispiel im Rattenberger Salbuch von 1416, in dem alle Almen des Alpbachtals aufgelistet werden. Sie existieren nahezu alle heute noch, sind größtenteils sogar den gleichen Talhöfen zugeordnet.

180.000 Hektar sommerliche Zusatzweidefläche und 2.100 Almen gibt es heute in Tirol. Sie ernähren im Sommer rund 110.000 Kälber, Milchkühe, Stiere und Ochsen (über 50% des Tiroler Rinderbestands), zudem werden über 70.000 Schafe, gut 5.500 Ziegen und zirka 2.000 Pferde „gesömmert“.

Einfluss der Almen auf Kultur und Alltag
Natürlich fanden die Almen auch in der Kultur der Tiroler Landbevölkerung ihren Niederschlag. Hier entstand der Jodler, hier spielten Sagen und Geschichten. In Volksliedern besang man früher das sommerliche Leben oben im Gebirge. Um Schutz und Segen wurden bestimmte Heilige angerufen, Barbara, Leonhard, Antonius und vor allem Wendelin. Ihnen zu Ehren wurden auf einigen Almen Kapellen errichtet. Heilige dienten wie bäuerlichen Alltag üblich auch als kalendarische Orientierung. Aufgefahren, also das Vieh auf die Alm gebracht, wurde – je nach Höhenlage – zu St. Bonifaz (5. Juni), St. Vitus (19. Juni), St. Johann (24. Juni) oder St. Kilian (8. Juli). In manchen Regionen waren allerdings die jeweiligen Wochentage wichtiger: Im Ötztal wurden der Mittwoch und Freitag gemieden, im Unterinntal glaubte man, ein Auftrieb am Sonntag, Dienstag oder Donnerstag würde Unglück bringen, wohingegen im Stanzertal die beiden letzteren Tage sogar bevorzugt wurden. In der  Imster Gegend und Osttirol wurde zudem die richtige Mondphase berücksichtigt. Das wichtigste Ereignis im Almjahr war jedoch der Almabtrieb. Heimgefahren wurde traditionell zwischen St. Bartholomäus (24. August) und St. Michael (29. September), abhängig davon, ob auf den Wiesen noch genug Gras und Wasser zu finden war.

Almabtrieb als symbolisches Fest und Kunstobjekt
Rund um die Rückkehr von Vieh und Hirten entstand mit der Zeit buntes Brauchtum. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts tauchten Berichte von geschmückten Tieren auf. Der Tiroler Maler Jakob Placidus Altmutter hielt 1812 eine Almabtriebsszene als getönte Federzeichnung fest, sie befindet sich heute im Besitz des Landesmuseums Ferdinandeum. Auch Autoren wie Beda Weber, Ludwig Steub oder Adolf Pichler beschrieben das jährliche Ereignis.

In der Wissenschaft wurde das Schmücken des Viehs eine Zeitlang als eine Art Schutzzauber gegen böse Geister interpretiert. Davon ist man inzwischen abgerückt. So spricht die Tatsache dagegen, dass in vielen Orten nur ausgewählte Tiere „aufgebuscht“ oder „aufgekranzt“ wurden. Gab es während des Almsommers Verluste durch Krankheit, Steinschlag oder Unwetter, wurde sogar gänzlich ungeschmückt heimgefahren. Und an den schwierigsten Stellen der Wege, wo Schutz ja besonders von Nöten wäre, wurde den Tieren der schwere Schmuck abgenommen. So gilt der schmuckvolle Almabtrieb heute wieder als Detail des festlich begangenen Sommerendes, dessen farbenfrohe Verspieltheit mehr der barocken Mode des 17. und 18. Jahrhunderts entspringt. Verspielt sind auch die Varianten, mit denen die heimkehrenden Rinder in Tirol geschmückt werden. In Regionen wie den Kitzbüheler Alpen und dem Zillertal tragen sie naturbelassene, mit bunten Bändern verzierte Nadelholzwipfel zwischen den Hörnern. In der Gegend westlich von Innsbruck dominieren entrindete Wipfel und Holzgestecke mit figuralen Darstellungen. Vor allem rund um Imst und Landeck sind mit Spiegeln, Bildern und Sprüchen verzierte Stirnmasken verbreitet. Im Ausserfern, Wipptal oder Osttirol wiederum sind Kränze aus Tannenreisig, Alm- und Kunstblumen und Hörnerschmuck beliebt.

Über all diesen kleinen, feinen Unterschieden steht jedoch die große Gemeinsamkeit: die sichere Heimfahrt wird gefeiert. Die Bäuerinnen in den Dörfern servieren Krapfen, Kiachl und andere Köstlichkeiten, von denen manche nur zu dieser speziellen Zeit zubereitet werden. Sind alle Tiere angekommen, können sie und ihre menschlichen Begleiter sich vorerst erholen – bis zum nächsten Sommer auf der Alm.

Dieter Buck

Besuchen Sie uns auch unter:
http://reisen-und-urlaub.blogspot.com für Artikel über Reisen und was schön daran ist
http://alpen-blog.blogspot.com für Artikel über die Welt der Alpen
http://baden-wuerttemberg-blog.blogspot.com für Artikel über Baden-Württemberg
http://reisebuecherwanderfuehrer.blogspot.com für Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur
http://der-stuttgart-blog.blogspot.com für Artikel über Stuttgart
http://stuttgart-schwarz-weiss.blogspot.com für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie
http://living-in-stuttgart.com der englischsprachige Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt
Impressum: